Ferienhaus Mika - Ostseeurlaub in Dahme für die ganze Familie - auch mit Hund


Direkt zum Seiteninhalt

Verliebt in Dahme - Über 100 Jahre Ferienglück an der Ostsee - Teil I

Dahme früher

Sehr geehrter Besucher, sehr geehrter Dahme-Liebhaber,


immer wieder mal werde ich gefragt: „ ... da gab es doch mal so ein Buch über Dahme?“ oder „... wissen Sie noch wie das Buch über Dahme hieß?“, „ ... wissen Sie wo man es heute noch kaufen kann?“ Und ich muss dann immer ein wenig wehmütig sagen, das Buch das Sie meinen hieß „Verliebt in Dahme“ aber es ist leider nicht mehr im Handel erhältlich. - Doch, damit dieses Buch, und die Erinnerungen an die alten Zeiten in Dahme, nicht gänzlich verloren gehen, habe ich mir die Mühe gemacht, das Buch mit allen Bildern hier noch einmal nieder zuschreiben, um es so für alle Interessierten zu bewahren und zugänglich zu machen. Kommen Sie und begleiten Sie mich auf eine kleine Reise in die Vergangenheit und erfahren Sie wie Dahme früher war.






Inhalt

6 Liebeserklärung an Dahme
11 Dahme, wie es leibt und lebt
25 Das Seebad, das nach der Sturmflut kam
39 Dahme in der "guten alten Zeit"
61 Ostseebad zwischen den Kriegen
77 Dahme - Immer größer, schöner, beliebter!
94 Abschied und Wiederkehr



Ein großer Augenblick in Dabmes Geschichte. 1911 wird die erste Seebrücke eingeweiht! 1922 fiel sie dem Eisgang zum Opfer



Verliebt in Dahme
Bunter Bilderbogen eines über hundertjährigen Ostseebades, aufgezeichnet und ausgemalt von Gerhard Eckert, mit Fotos von Werner Dreyer.



Liebeserklärung an Dahme

*"Sommerferien an der See! Begriff wohl irgend jemand weit und breit, was für ein Glück das bedeutete?"
(aus: Thomas Mann, Die Buddenbrooks)

Alter Mann und Meer
"Ostsee", sagte der Mann mit den grauen Haaren, der neben mir auf der Bank saß, "Urlaub an der Ostsee. Und das nun schon zum fünfzigsten Mal! Kann es etwas Schöneres geben?" Er äußerte das halblaut, so daß ich zuerst nicht genau wußte, ob er es im Selbstgespräch tat oder mich meinte. Aber bei der Frage am Schluß dreht er mir den Kopf zu. Wir saßen nebeneinander auf einer Bank an Dahmes Strandpromenade. Es war ein Sommertag wie aus lauter blauer Seide. Das Meer brandete mit weißem Bierschaum. Möwenschreie hingen in der Luft. Man hörte Kinder rufen, Mädchen lachen. Und eben schritt eine Blondine an unserer Bank vorüber, deren Bikini beim Wettbewerb für Textilsparen einen Preis erhalten hätte.

"Fünfzigmal?" nahm ich den Faden auf, den der ältere Herr mir zugeschoben hatte. "Wollen Sie etwa behaupten, daß Sie schon fünfzigmal Urlaub an der Ostsee gemacht haben?" Er nickte nachdrücklich. "An der Ostsee", wiederholte er, "und in Dahme. Das erste Mal kam ich als Knirps mit meinen Eltern her. Dann immer wieder. Und dieses Jahr - ich habe genau gezählt - ist es das fünfzigste Mal." "Wird Ihnen das denn gar nicht langweilig?" "Bisher noch nicht", antwortete er nachsichtig. "Zuerst war Dahme ohnehin neu für mich. Dann hat es sich ja auch ständig verändert. Im übrigen habe ich es bisher jedes Mal, wenn ich herkam - auch im Winter sogar - mit neuen Augen gesehen und dabei Neues entdeckt. Wie sollte es da langweilig sein?" "Und Sie sind nie - in all den Jahren - auf die Idee gekommen, auch mal anderswohin zu verreisen - nach Mallorca vielleicht oder nach Italien, in den Süden?" "Aber ja", sagte er gelassen, "natürlich war ich auf Mallorca, an der Adria und am Schwarzen Meer. Kenne ich alles. Aber ich will Ihnen etwas verraten..." Geheimnisvoll dämpfte er seine Stimme. "... immer wenn ich von dort kam, habe ich noch ein paar Tage Dahme drangehängt. Zum Vergleich sozusagen. Hinterher habe ich mich dann gefragt, warum ich nicht schon am ersten Urlaubstag nach Dahme gefahren bin. Südliche Sonne - na schön. Aber Dahme ist durch nichts zu ersetzen. Das ist jedenfalls meine Meinung. Für mich gibt es nichts Schöneres." "Dann sind Sie ja", stellte ich fest, "richtig verliebt in Dahme."

"Verliebt in Dahme? Ja, so könnte man es wirklich nennen. Ich liebe Dahme eben. Wie meine Frau. Ich denke, sie wird nichts dagegen haben. Sie ist ja auch - mit mir - schon beinahe vierzigmal hier gewesen. Ihr hat es immer genauso gut gefallen wie mir. Da kommt sie übrigens. Auf Wiedersehen. Nett, mit Ihnen zu plaudern." Er erhob sich und legte lächelnd den Arm um die Schultern seiner Frau. Ein Mann, der mit sich, mit der Welt und - natürlich - mit Dahme zufrieden war.

Während ich ihm nachsah, fiel mir ein, daß er mir damit den Titel für dieses Buch geliefert hatte: Verliebt in Dahme. Und ich dachte nach, was mich mit dem Bad, das nun weit über hundert Jahre alt ist, verbindet.


Gruppenbild mit Dahme

Das erste Mal sah ich Dahme auf einem Prospekt. Ich hatte ihn mir mit ein paar anderen im Reisebüro geben lassen, weil ich noch nicht genau wußte, wohin an die Ostsee ich reisen wollte. Denn damals, kurz vor dem Krieg, war die Auswahl an Ostseebädern noch groß: von Glücksburg bis zur Kurischen Nehrung. Weit über hundert Badeorte, vielleicht zweihundert sogar.

Den Prospekt von Dahme habe ich noch gut in Erinnerung. Viel blaues Meer, bunte Fahnen, weißer Sand. Alles sah sehr strahlend aus, sehr sauber, sehr anheimelnd. Man bekam richtig Lust, auf der Promenade Entlang-zuschlendern, sich in einen Strandkorb zu setzen, im Meer zu baden.

Ich bin dann doch nicht nach Dahme gefahren. Die Weltgeschichte - jedenfalls das, was man hinterher so nennt - brauchte mich. Als sie mich endlich wieder freigab, konnte man überhaupt nicht daran denken, so einfach an die Ostsee zu fahren. Denn in den Hotels und Pensionen, in den Zimmern und Stuben von Dahme lebten Menschen, die ihre Heimat verloren hatten. Sie waren nicht etwa zum Urlaub, nicht zur Erholung nach Dahme gekommen, sondern für sie war der Ort eine Zuflucht in der Not. Bis diese heimatlos Gewordenen, einer nach dem anderen, ein neues Zuhause, eine neue Tätigkeit suchten und fanden. Eines Tages war Dahme nach einem beschwerlichen Jahrzehnt dann doch wieder das, was es seit 1881 gewesen war: ein Ostseebad. So daß ich mir den Traum erfüllen konnte, den ich seit dem ersten Blick auf Dahmes Prospekt geträumt hatte: Ich fuhr hin! Die Wirklichkeit, die ich nun endlich kennenlernte, enttäuschte mich nicht. Nun konnte ich die Promenade Entlangbummeln. Konnte im Strandkorb sitzen. Nun erlebte ich Strand und Wellen, lernte Ort und Menschen kennen, lief und fuhr durch die Umgebung und - kehrte gern nach Dahme zurück. Seitdem bin ich oft und immer wieder hierher gekommen, so daß mir Dahme eine Art zweite Heimat an der Ostsee geworden und geblieben ist. Für sie habe ich, dankbar und in herzlicher Zuneigung, dieses Buch geschrieben.

Verliebt in Dahme - wie mein zufälliger Gesprächspartner - bin auch ich schon lange. Vielleicht können Sie das, sobald Sie das Buch bis zum Ende durchgeblättert und gelesen haben, verstehen, falls Sie nicht ohnehin - wie so viele - schon längst Stammgast und Freund von Dahme sind. Oder es allmählich werden. Das Dahme aus den Jahren nach dem Krieg, in denen ich es kennenlernte, hat sich verändert. Wie es auch damals schon längst nicht mehr das Dahme von 1881 war, als zaghaft und beinahe vermessen der Badebetrieb begann, als die ersten Gäste aus fernen Städten das dazumal noch so stille, entlegene Dorf aufsuchten. Wer will entscheiden, was besser war oder ist: die bescheidene, aber primitive Idylle von einst oder das moderne und doch beschaulich gebliebene Ostseeheilbad des Jahres 1992?


Hundert Jahre sind für einen Menschen, wenn er sie wohl überhaupt erlebt, eine lange Zeit. Für einen Ort umfassen unsere nunmehr weit über hundert Jahre drei, vier Generationen, schließen sie Bauen und Erneuern, Planen und Wagen, Hoffnungen und Enttäuschungen in sich. Was die Urgroßväter anpackten, wird in unseren Tagen von Enkeln und Urenkeln fortgeführt.

Wer heute die Strandpromenade mit ihren Läden und Gaststätten, mit Kurbauten und Service-Angeboten entlangläuft, würde gewiß nicht mit dem unwirtlichen Sandpfad von 1881 und den Jahren danach tauschen wollen, nicht mit der späteren hölzernen Wandelbahn oder der ungeschlachten Böttger-Bude. Weder die umständlichen Badekarren von einst noch der Holzkoloß der Badeanstalt - Männlein und Weiblein auf sichere Entfernung getrennt -könnten heute die Gäste noch begeistern. Damals kannte man es nicht anders. Einhundertelf Jahre sind für Dahme ein riesengroßer Schritt gewesen, der es neu, größer, lebhafter und schöner gemacht hat. Wie es den Gästen von 1992 gefällt. Ich bin sicher: die Besucher von 1881 würden es staunend, fassungslos, vielleicht ungläubig bewundern. Nicht nur wegen der - wenn überhaupt vorhandenen -Kleidung, mit der man sich heute ins Wasser begibt.

Viele Besucher, berühmte und weniger bekannte, sind in vielen Jahren nach Dahme gekommen - insgesamt Millionen. Ein unerwarteter Gast aber ist den Dahmern und ihren Gästen ums Jahr 1991 herum besonders lieb geworden. Es war kein Mensch, sondern ein Tier: ein Seehund, der - das läßt sich ja gut verstehen - den Dahmer Strand und seine Gäste richtig gern mochte. Viele hatte den verspielten "Robby" ins Herz geschlossen und bedauern nun, daß er diesen Strand verlassen mußte, um sich wieder in die Gesellschaft anderer Robben einzureihen.


Wenn wir von Dahmes hundert Jahren sprechen, dann gilt das selbstverständlich nur für das Ostseebad. Der Ort Dahme mit seinen früher hier lebenden Bauern und Fischern ist viele Jahrhunderte älter, erstmals in einer Urkunde des 13. Jahrhunderts genannt. Den Weg Dahmes als Ostseebad von bescheidenen Anfängen durch Flauten, Stürme und Unwetter bis zum ansehnlichen und beliebten Ostseeheilbad von heute wollen wir neugierig und erwartungsvoll begleiten - nicht im Stil und unter dem Drang und Zwang einer Chronik, sondern nach Art eines bunten Bilderbogens. Er wird uns eine Zeit miterleben lassen, in deren Verlaut Urlaub und Ostseereise vom Privileg einer begrenzten Oberschicht zum selbstverständlichen Genuß aller Bürger geworden sind. Dahme verdient Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Interesse, Ihr Wohlwollen, wenn nicht gar - Ihre Liebe.

Dahme, wie es leibt und lebt

»Durch seine begünstigte Lage, besonders durch den meilenweiten, weißen, fast steinfreien Badestrand und kräftigen 'Wellenschlag hat Dahme den Charakter eines Nordseebades, verbunden mit der Milde des Ostseeklimas.« (Prospekt des Jahres 1933)

Dahme damals

Nicht nur Menschen verändern sich. Auch Orte sind Lebewesen, die einer ständigen Wandlung unterworfen sind. Sie haben heute ein anderes Gesicht als vor - sagen wir - 40 Jahren und werden im Jahr 2022 recht verschieden von dem sein, was sie 1992 darstellten. So wird es selbst für den, der Dahme kennt, schwierig, ja unmöglich sein, sich das Bild des Ostseebades aus den Jahren, als die ersten Gäste hierher kamen, deutlich vor Augen zu zaubern. Es muß - alles in allem genommen - ein recht bescheidenes Bild gewesen sein. Viele reetbedachte Katen, eine holprige, manchmal auch morastige Dorfstraße, ein Strand ganz oder beinahe ohne Bauten, ohne Promenade und auch ohne Strandkörbe. Allerdings mit einer stattlichen Zahl von Fischerbooten. In den nicht sehr zahlreichen Häusern natürlich kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser, kein WC und weder Rundfunk noch Fernsehen. Niedrige Räume mit engen Fenstern. Nach den Maßstäben von heute: eine armselig-primitive Welt!

Aber ehe wir den Weg zurückgehen bis zu den Anfängen eines wahrhaft urwüchsigen Badeledes Jahres 1881 (und den noch bescheideneren Ansätzen der Jahrzehnte zuvor...), wollen wir das Dahme von heute durchstreifen und beschauen, was aus so kärglichen Anfängen geworden ist. Gewiß weit mehr und erheblich Größeres, als selbst der kühnste und phantasievollste Dahmer Bürger sich Anno 1881 in seinen zukunftsfrohen Träumen hätte vorstellen können. Die Wirklichkeit von heute übertrifft selbst die Illusionen von einst erheblich!



Dahme nostalgisch — eine Reetdachkate, wie sie einst der Ort zahlreich besaß (diese wurde leider 1958 abgerissen).


Dahme heute

Unser Dahme ist eine selbständige Gemeinde mit 1150 Einwohnern. Zu ihnen kommen Jahr für Jahr - mal mehr, mal weniger - weit über 60000 Badegäste, die sich mehrere Tage oder Wochen hier aufhalten. Dadurch ergibt sich, daß in dem immer noch nicht gar so großen Dorf alljährlich mehr als 800 000 Übernachtungen stattfinden - die Gäste mit Zelt oder Wohnwagen gar nicht gerechnet. Mit solchen Zahlen ist Dahme das achtgrößte Ostseebad an der 383 km langen schleswigKüste. Größer sind u.a. Grömitz, Timmendorfer Strand, Travemünde, Haffkrug-Scharbeutz und Heiligenhafen. Kleiner sind einige Dutzend andere Badeorte zwischen Lübeck und Flensburg. Dahme hat dabei eine Besonderheit, die man wohl erwähnen sollte: Kaum irgendwo anders bleiben die Gäste so lange wie hier. Vermutlich, weil man sich besonders wohl fühlt. Dahme kann sich also in der Vielzahl der Ostseebäder durchaus sehen lassen.


Der Weg hierher

Nach Dahme führen mehrere Wege, und sie haben sich im Verlauf der vielen Jahre - wie wir noch sehen werden - erheblich geändert. Heute kommen die meisten Gäste über die B 501, auch Bäderstraße genannt, nachdem sie entweder bis Neustadt (in Holstein, versteht sich) mit dem Zug oder bis zur Ausfahrt Neustadt-Nord auf der Autobahn A i gefahren sind. Diese B 501 (für Bahnreisende ab Neustadt mit dem Bus) führt durch Grömitz und an Kellenhusen vorbei. Wenn sie sich bei den paar Häusern von Gruberhagen nach Norden (über Grube) wendet, biegen die Dahme-Fahrer rechts ab und erreichen in wenigen Minuten ihr Ziel, wobei sie zwischen zwei Zufahrten in den Ort die Wahl haben.

Wer sich auskennt, kann auch schon andere Zufahrtswege benützen. Zwei von der Autobahn-Ausfahrt Lensahn aus: einmal über Grube und von da über einen früheren Feldweg und eine inzwischen ausgebaute Teerstraße, ein andermal über Cismar, wo der Anschluß an die B 501 erfolgt. Schließlich mit einem Abstecher von der B 501 nach Kellenhusen und hier nordöstlich nach Dahme. Charterflüge nach Dahrne gibt es nicht. Wohl aber für Besitzer eines privaten Flugzeugs die Landebahn des Gruber Sportflugplatzes, wenige Kilometer von Dahme entfernt. Nächste Häfen für Jachteigner sind Neustadt und Grömitz. Dahmes Seebrücke ist nur für ein kurzes Anlegen gedacht.


In Dahme wohnen

Das Dahme von heute mit seinen teilweise modernen Neubauten läßt beinahe vergessen, daß urige Fischerhäuser und kleine, anspruchslose Logierhäuser am Anfang der Beherbergung standen. Reetdach war so gut wie selbstverständlich. Heute beherrschen neuzeitliche Häuser und die Wohnblöcke von Haus "Berolina" und "Strandhotel" erhebliche Teile des Ortsbildes. Zimmer mit Dusche oder Bad und WC sind weithin vorhanden. Aber es gibt auch sie noch immer - wer wollte sie missen?! - die behaglichen Altbauten traditioneller Pensionen, in denen geringerer Komfort durch Herzlichkeit mehr als ausgeglichen wird. Nicht zu vergessen die ansehnliche Liste privater Vermieter mit eleganten und einfachen Zimmern, mit Unterkunft in der Villa oder auf einem bäuerlichen Hof. In Dahme kann jeder Gast wohnen, wie er mag und - wie es seine Urlaubskasse erlaubt.


Wer möchte nicht hier sein Ferienquartier aufschlagen?


Eine eigene und gewichtige Rolle spielt für Dahme das im Norden jenseits der Schleuse anschließende Camping-, Caravan- und Ferienhausgebiet von ZEDANO. Kein exotisches Modewort, sondern die Abkürzung für: Zeltstrand Dahme Nord. Vor zwanzig Jahren stimmte der Name noch: inzwischen gerieten die Zelte gegenüber den Caravans in die Minderheit. Wo sie noch stehen, haben sie - hygienischen und dünenschützerischen Argumenten der Obrigkeit Folge leistend - den Strand selbst verlassen müssen und sich, mit Wasserleitung und Kanalisation angereichert, ins Hinterland zurückgezogen. Überhaupt kann (und muß) der Gast sich entscheiden, ob er das Urlaubsdach in unmittelbarer Nähe der Ostsee, nahe bei Strand und Deich und vielleicht sogar mit dem immer wieder begeisternden Blick vom Zimmer aufs Meer, bevorzugt oder ob er sich ins geschütztere, vielleicht waldnahe oder bäuerliche Hinterland des Ortes begibt.


Dahmes Herz: der Strand

Wo der Gast aber auch wohnen mag - das Herz Dahmes schlägt am Strand. Dieser Strand gab nicht nur den Anstoß und die Berechtigung, ein Seebad zu werden, sondern er bildet heute wie eh und je in den letzten hundert Jahren seinen Mittelpunkt und sein Kapital. Es ist ohne jeden Zweifel ein Strand, der zu den schönsten in Schleswig-Holstein gehört: feinsandig, breit, so gut wie steinfrei, ausgedehnt und in seinem Kernstück zugleich von einer über 2 km langen Promenade begleitet. Sie macht den Strand zur festen Nord-Süd-Achse der Dahmer Ferienwelt. An ihr liegt alles, was der Urlauber braucht und sucht. Beginnend mit Kurverwaltung und Büro des Kurdirektors, mit den Einrichtungen im "Haus des Kurgastes" über das Kurmittelhaus bis hin zum Meerwasser-Freibad, zu Tennis- und Sportplätzen und allen öffentlichen Einrichtungen, die den Gast verwöhnen. Zu ihnen tritt eine erste Auswahl von Dahmes kulinarischen Angeboten einfacher oder auch gehobener Art für Hauptmahlzeiten oder Kaffeestunden, die selbstverständlich jenseits des Deiches im Dorf sich fortsetzt und erweitert.


Auch heute noch - Landwirtschaft am Rande des Ostseeheilbads.

Schließlich eine von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Geschäfte, die kaum einen Lebensbereich auslassen, so daß es schwer wird, etwas zu entdecken, was man an der Strandpromenade eigentlich nicht einkaufen kann. Die Skala der Angebote umfaßt Bücher und Mode, Schmuck und Fotoartikel, Kunstgewerbe und Süßigkeiten, Ansichtskarten und Sportgeräte, Hautkrem und Spielzeug. Zwischen Läden und Gaststätten die schmucken Mini-Palazzi der Strandkorb-Vermieter, die dem Gast seinen Strandwigwam in gewünschter Lage und Qualität beschaffen. Das ist beileibe noch nicht alles, was die Strandpromenade den Dahmer Gasten zu bieten weiß. Dahmes Strand, alles in allem 6,5 km lang, endet nicht mit der Promenade, sondern setzt sich nach Norden wie nach Süden fort. Südlich wird aus dem flachen Dünenstrand eine Steilküste, die zum Leuchtturm Dahmeshöved führt und seit jeher Hauptangriffspunkt der See ist. Nur mühsam können die auf dem Steilufer gelegenen Grundstücke vor Abtragung bewahrt werden. Nach Norden setzt sich auch jenseits der Schleuse der Badestrand fort, der hier zum Gebiet von ZEDANO gehört: zunächst für Gäste in üblicher Badekleidung, danach in etwa i km Länge für solche, die lieber nackt am Strand umherlaufen und baden: einer der ältesten FKK-Strande der Ostseeküste, wogegen noch nach dem Krieg eine "sittenstrenge" Kreisverwaltung mit antiquierten Verordnungen und echauffierten Polizisten vergeblich ankämpfte.


Das Herz des Ostseebads schlägt an seinem Strand - das bunte Gewimmel eines sommerlichen Sonnentags

Zum Strand gehört neuerdings - nach über 35 Jahren ohne eine solche Einrichtung - wieder eine 205 m lange Seebrücke, an der Ausflugsschiffe, private Segelboote und eines Tages möglicherweise auch die Schiffe einer regelmäßigen Verbindung längs der Küste anlegen können. Am Strand selbst liegen außer wenig übriggebliebenen Booten der Fischer nördlich der Mole auch Segeljollen und Katamarane der Dahmer Sportbootfahrer und von Gästen.


Glanz auch ohne "Butt"

Ich kann es nicht lassen, mir insgeheim vorzustellen, was wohl Fischer Landschoof aus dem Dahme von 1881 sagen würde, wenn er "seinen" Strand von einst in heutigem Glanz und Ausmaß erleben könnte. Müßte es ihm nicht vorkommen wie dem Fischer in dem Märchen vom "Fischer und siner Fru", als er statt des "Pisspotts" seiner ursprünglichen Behausung das stolze Schloß erblickte, das ihm der dankbar-wohlwollende Butt hingezaubert hatte?! Gewiß würde er seinen Augen nicht trauen. Für die Lebenden freilich, die einen wesentlichen Teil des Dahme unserer Tage wachsen sahen, erscheint alles wohl ganz selbstverständlich, als müsse es so sein. Manchmal, fürchte ich, könnte es sogar diesem oder jenem Dahmer ebenso ergehen wie der unersättlichen Fischersfrau, daß ihn der offenkundige Fortschritt und Gewinn gar nicht mehr so recht befriedigte und er es am liebsten noch stattlicher, größer und natürlich auch lukrativer hätte. Aber vielleicht irre ich mich auch...

Denn immerhin hat ja auch kein Dahmer einem Butt das Leben geschenkt, um damit solches Wachstum und Ansehen zu begründen. Bei Lichte besehen ist es nichts anderes als der Fortschritt, das wachsende Zivilisationsbedürfnis, die gestiegene Bedeutung von Reise und Freizeit, die aus dem eher etwas kläglichen Entlein des Jahres 1881 den stolzen schönen Schwan unserer Tage werden ließ. Sicher das Ergebnis von Wagemut und Arbeit, von Ideen und Zielstrebigkeit. Aber auch - und davon wird später noch einmal die Rede sein - die kaum vorauszuberechnende Gunst der Nachkriegsgeschichte, die von insgesamt 1800 km deutscher Ostseeküste nur jene 383 km in Schleswig-Holstein für bundesdeutsche Urlauber offenhielt und den alten plattdeutschen Spruch wahr werden ließ "Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall".



Sommerfrische der Jahrhundertwende, als Heinrich Thode Gasthof, Bäckerei und Konditorei zugleich betrieb


Anders herum gesagt: Dahme 1992 ist das Ergebnis von Tüchtigkeit, der das Glück zur Seite stand. So nimmt es gar nicht wunder, daß aus den weniger als 100 Häusern, die das alte Dahme ursprünglich bildeten, heute mehr als 500 geworden sind. Darunter Häuser, die als Urlaubsbleibe wochenweise vermietet werden und außerhalb des Sommers oft viele Monate leer stehen. Darunter außerdem die Ferienhäuser von Städtern, die in Dahme einen zweiten Wohnsitz errichtet haben - Wahl-Dahmer gegenüber den eingesessenen Dahmer Bürgern, nicht hier geboren, aber durch Zuneigung und freien Entschluß enger mit Dahme verbunden als die üblichen Sommergäste - eine ganz neue Spezies Mensch, an die vor hundert Jahren gewiß niemand gedacht hat.


Das Gesicht eines Dorfes

Wenn wir den Strand verlassen und über den Deich, der den Ort vor verhängnisvollen Sturmfluten (wie der des Jahres 1872) schützt, in die Dorfmitte gelangen, blättern wir gewissermaßen die steinerne Chronik einer bunten und wechselvollen Entwicklung auf. Das Nebeneinander von denkbar verschiedenartigen Bauten könnte aus einem Lehrbuch für Architekten stammen. In der Minderheit und nur noch vereinzelt zu entdecken, sind die Häuser, die vor einem Jahrhundert Dahmes Gesicht bestimmten: die Katen mit Fachwerk, Lehm- oder Ziegelsteinwänden und Reetdach, in denen Fischer und Kleinbauern hausten. Viele sind abgerissen, andere modernisiert. Denn ein Reetdach (Rohr aus der einst wasserreichen Umwelt) ist teuer, im Vergleich mit Ziegeln mühsam zu decken und - mit hohen Prämien bei der Feuerversicherung verbunden. Reetdach Ist, kurz gesagt, Luxus. So daß die Welt sich umgekehrt hat: ein Reetdach leisten sich gern die Städter für ihre Sommerhäuser, wahrend die Einheimischen froh sind, unter billigen Ziegeln oder Eternit zu leben. Davon abgesehen hatten die alten Reet-dachkaten niedrige Decken, kleine Räume, lichtschwache Fenster und wenig Komfort -dennoch oder deshalb waren sie gemütlich. Aber sie schwinden - nicht nur in Dahme -dahin. Wo sie noch stehen, sind sie als Fotomotiv beliebt.




Ein Blick in die Dorfstraße von einst beschauliche Stille ohne Autos und Teerstraßen


Als die Dahmer um die Jahrhundertwende und danach begannen, Häuser speziell für die Aufnahme von Gästen zu bauen, entstanden stattliche Bauten, wie man sie den Städten abgeguckt hatte. Jetzt waren Räume und Fenster hoch, die Fassaden imponierend, villenartig, und der Geltungsdrang der Gründerjahre und der Wilhelminischen Zeit bestimmte auch in Dahme die Bauweise. Diese Häuser -manchmal inzwischen modernisiert, abgewandelt, "getarnt" -stehen auch heute noch, nicht unbedingt gemütlich, aber solide Zeugnisse der "guten alten Zeit", die dank ihrer Weitläufigkeit den Einbau moderner Hygiene-Einrichtungen erleichtern. Sie können übrigens auch heute noch ablesen, bei welchen Häusern (Hotels, Pensionen, Fremdenheimen) aus dem vollen geschöpft wurde und wo man sparen mußte. Die Zeit zwischen den Kriegen und die ersten Jahrzehnte danach haben zur ersten ansehnlichen Ausdehnung des Ortsbildes geführt. Straßen und Häuser wuchsen nach draußen. Die Bauten dieser Epoche bescheiden sich gegenüber wilhelminischer Massenentfaltung: Man baut niedriger, sparsamer, enger, zweckmäßiger, auch uniformer. Siedlungshäuser und Gebäude des sozialen Wohnungsbaus ziehen sich zum Ortsrand hin. Selbst die in diesen Jahrzehnten entstandenen Pensionen wirken bieder und eher hausbacken als schwungvoll. Mit der quälend lange umstrittenen, in den siebziger Jahren gewachsenen Kur- und Wohnanlage von "Berolina" erhielt Dahme den Stempel einer neuen Zeit. Andere Bauten aus ähnlicher Baugesinnung, wenn auch weniger monumental, folgten. Damit liegt Dahme nicht am Ende der architektonischen Welt, sondern wieder einmal mitten im Trend moderner Komfortgesinnung. Fischer- und Bauerndorf von einst sind vergessen. Ob schön oder befremdend - Ausdruck einer Gegenwart, die den Erwartungen und Ansprüchen einer Gästeschicht gerecht wird.



Drei Bauten setzen Akzente im Dahmer Ortsbild. Unübersehbar bei Tag und Nacht der Leuchtturm Dahmeshöved, auch wenn er neuerdings nicht mehr besichtigt werden kann und automatischer Steuerung untersteht. Optisch ein Sinnbild maritimer Romantik - im Inneren moderner Elektronik unterworfen. Dahmes Gotteshaus stand über Jahrhunderte in Grube, dessen Kirche aus dem Jahr 1232 schon frühzeitig von der Reformation erfaßt worden war. Dafür führten die Bedürfnisse der Gäste nach sonntäglicher Andacht in den letzten fünfzig Jahren zu zwei Kirchenbauten: einer 1964 errichteten evangelischen Gerolds-Kapelle und einer 1968 (nach einem Vorläufer von 1928) erbauten katholischen Kreuzkirche, die neben den Urlaubsgästen auch 300 Katholiken in 21 umliegenden Ortschaften betreut. Was also prägt Dahmes Gesicht? Vielleicht am stärksten, daß hier - rein äußerlich - nichts zusammenpaßt. Daß die Kate der Vergangenheit neben der "alten Pracht" oder dem neuzeitlichen Zweckbau steht. Daß es zwar Straßen gibt, die Häuser gleicher Bauzeit und gleicher Baugesinnung nebeneinander zeigen - ausgewogen und - pardon - ein wenig langweilig. Aber gerade in der Ortsmitte, wohin Handel und Wandel drängten, geht es kunterbunt durcheinander, auch wenn sicher behördlicher Aufsichtseifer hier wie anderswo gebremst und gemildert hat. Stilfanatiker werden Dahme gewiß ankreiden, daß es weder Fischer- und Bauerndorf geblieben noch ein wirklich neuzeitliches Gemeinwesen geworden ist. Aber mir geht es so (und ich hoffe, Ihnen auch), daß ich den Eindruck habe: Dahme muß einfach so sein. Gewachsen aus Laune, Zufall und Zeitgeist und bestimmt weit weniger individuell und originell, wenn tatsächlich alles harmonisch aufeinander abgestimmt wäre. Ein Dorf mit einem sehr persönlichen Gesicht, das in seiner Gesamtheit eine Zeit widerspiegelt, die auch ihrerseits gegensätzlich und widersprüchlich war.

Zweierlei Dahme

Wenn wir so an einem beliebigen Sommertag durch Dahme schlendern und seine Häuser und Fassaden mustern, dann denken die wenigsten Gäste daran, daß Dahme nicht immer so ist. Im Sommer ein lebhafter, bevölkerter, gleichsam festlicher Ort. Im Winter (wozu auch erhebliche Teile von Frühling und Herbst gehören können) still, einsam, beinahe verlassen. Die Gäste kennen nur das Gesicht Dahmes mit modischem Make-up, mit Rouge, Lidschatten und Perücke, mit Schmuck und Parfüm.


Dahmes Strand in den Kinderschuhen: Badekarren, viel freier Sand, Liegestühle um die Moden von vorgestern

Es ist das Gesicht der Saison in den wenigen Monaten, in denen die Dahmer selbst (was und wo immer sie in dem Urlaubsbetrieb auch zu tun haben) kaum zur Besinnung kommen. Sie kennen es jeweils nur aus der Perspektive ihrer Tätigkeit. Mancher Dahmer, der nicht zufällig gerade dort arbeitet, bekommt den Strand in seiner sommerlichen Lebhaftigkeit kaum zu Gesicht. Das Sommer-Dahme besitzt insgesamt 6972 belegte Betten, während seine Einwohner nur 1150 benötigen. Ganz anders im Winter! Es sind etwa die Monate zwischen Oktober und April, in denen die Saison - die hier oft ganz buchstabengetreu Seisohn ausgesprochen wird - schlafen gegangen ist, in denen mit Gästen eigentlich nur um Weihnachten oder die Jahreswende zu rechnen ist. Dann sind Dahmes Straßen menschenleer, haben die Lokale - vor allem die am Strand - oft geschlossen, ist die Promenade einsam und erlebt man manches Geschäft oder Etablissement hermetisch verriegelt. Der Strand gehört dann den Möwen, der Wind ebnet die Sandburgen ein, ein Sturm treibt die Brandung wohl bis zur Promenade. Es ist eine rauhe Zeit. Aber ich gestehe ehrlich ein, obwohl sich Dahme im Sommer nun einmal von seiner strahlendsten Seite zeigt, daß ich die Tage nicht missen möchte, an denen ich Wintertags im Schneesturm oder angesichts von glitzerndem Eis oder auch nur vom Wind gezaust und gebeutelt am Strand entlanglief! Sie sollten es einmal ausprobieren!

In dieser "toten Zeit" wird das im Sommer hart erworbene Geld ausgegeben oder in neue Investitionen gesteckt, wird die nächste Saison nicht nur in den Büros der Kurverwaltung geplant und vorbereitet, wird wohl auch einmal gefeiert oder eine Reise gemacht. Jedenfalls: jetzt sind die Dahmer unter sich - beinahe ebenso wie in jener Zeit vor mehr als hundert Jahren, als überhaupt noch kein Städter daran dachte, den weiten und (dazumal) sehr beschwerlichen Weg zur fernen und öden Ostseeküste anzutreten. So gibt es eben ein doppeltes Dahme - das des geruhsamen Winters und das im grellen Rampenlicht des geschäftigen Sommers: Das Dahme der Gäste und das Dahme der Dahmer.

Ende Teil I - Fortsetzung folgt.

Startseite | Das Ferienhaus | Fewo Rossmann | Preise | Angebote | Belegungszeiten | Buchungsanfrage | Serviceleistungen | Anreise/Ortsplan | Ferienkalender | Freizeitplanung | Essen u.Trinken | Dahme früher | Webcam/Wetter | Webcam/Natur | Gästebuch | Kontakt | Impressum | Links und Empfehlungen | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü